Klimawandel in der Schweiz: Wie Gebäudekühlung zur Herausforderung wird
Klimawandel treibt Kühlbedarf: Die neue Risikolandschaft
Die Folgen des Klimawandels werden in der Schweiz immer spürbarer. Die aktuelle Klima-Risikoanalyse des Bundesamts für Umwelt (BAFU), veröffentlicht am 5. Juni 2025, zeigt, dass sich Risiken bis 2060 weiter verstärken werden. Besonders die zunehmende Hitzebelastung stellt ein grundlegendes Problem dar: Im Jahr 2023 wurden 542 Todesfälle auf Hitze zurückgeführt, was 2 Prozent aller Todesfälle in der warmen Jahreszeit entspricht.
Eine im «Nature Sustainability» veröffentlichte Studie bestätigt diesen Trend: Sollte die Erderwärmung 2 Grad erreichen, wird die Schweiz den grössten relativen Anstieg von unangenehm heissen Tagen verzeichnen – nämlich 30 Prozent. Dies betrifft auch andere nordeuropäische Länder wie Grossbritannien (30 Prozent) oder Norwegen (28 Prozent), die bisher nicht auf extreme Hitze vorbereitet sind.
Der Energiebedarf verschiebt sich dramatisch: Laufen heute rund 40 Prozent des Energieverbrauchs in der Schweiz auf das Konto von Gebäuden – überwiegend für Heizen –, könnte bis Mitte des Jahrhunderts in extremen Szenarien fast genauso viel Energie zum Kühlen benötigt werden wie zum Heizen. Weltweit verbrauchen Klimaanlagen bereits 10 Prozent des globalen Stroms, Tendenz steigend.
Systeme und Technologien für die Gebäudekühlung
Split-Systeme: Von Single bis Multi
Die am häufigsten installierten festen Systeme sind Split-Klimaanlagen. Hierbei unterscheidet man zwischen Single-Split und Multi-Split-Lösungen. Bei Single-Split-Systemen ist jeweils ein Aussengerät mit einem Innengerät verbunden; diese Lösung kann nachträglich nicht erweitert werden. Multi-Split-Systeme erlauben den Anschluss von zwei bis fünf Innengeräten an ein einziges Aussengerät, wobei jedes Innengerät unabhängig gesteuert werden kann.
Wichtig zu wissen: Bei Multi-Split-Systemen ist ein Mischbetrieb nicht möglich – es müssen immer entweder alle Einheiten heizen oder alle kühlen. Die Innengeräte sind in verschiedenen Bauformen erhältlich: als Wandgeräte für kleinere Räume, als Deckenkassetten für grössere Räume mit ausreichender Deckenhöhe oder als Truhengeräte für bodennahe Installationen beispielsweise in Dachgeschossen.
Mobile Geräte und Raumautomation
Neben fest installierten Anlagen gibt es mobile Klimageräte, die online oder im Fachhandel erhältlich sind. Deren Kühlleistung ist allerdings durchzogen – viele Luftkühler kühlen wenig und erhöhen die Luftfeuchtigkeit. Für dauerhaften Komfort bietet sich die Raumautomation an: Intelligente Systeme stimmen Heizung, Lüftung, Klima, Beleuchtung und Beschattung aufeinander ab. Dabei werden Aussentemperatur, Sonneneinstrahlung und Wetterverhältnisse einbezogen, um bei minimalem Energieaufwand optimale Raumbedingungen zu schaffen.
Natürliche Kältemittel und Umweltaspekte
Moderne Anlagen setzen zunehmend auf natürliche Kältemittel wie Propan und Ammoniak. Diese sind klimaneutral, schädigen die Ozonschicht nicht und weisen eine hohe Energieeffizienz auf. Die Internationale Energieagentur (IEA) fordert zudem minimale Standards für Geräte und schärfere Grenzwerte bei der Energieeffizienz: Während europäische und japanische Geräte ein Viertel weniger Strom verbrauchen als US-amerikanische oder chinesische Modelle, müssen globale Anstrengungen zur Effizienzsteigerung intensiviert werden, um den explodierenden Stromverbrauch zu bremsen.
Installation: Hürden, Planung und Standortwahl
Kantonale Vorschriften und regulatorische Grenzen
Die Installation fest installierter Klimageräte unterliegt in der Schweiz kantonal unterschiedlichen Regelungen. Viele Kantone beschränken die Leistung auf maximal 12 Watt pro Quadratmeter und verlangen den Nachweis eines Kühlbedarfs. Ohne ausreichende Gebäudeisolierung ist die Installation von Split-Klimaanlagen praktisch unmöglich. Jährlich werden dennoch schätzungsweise 20'000 Split-Anlagen in Haushalten und Büros installiert – ein Wachstum von zwei bis vier Prozent pro Jahr.
Schallschutz und ästhetische Integration
Die Standortwahl für Aussengeräte muss verschiedene Kriterien erfüllen: Schallschutz, Grenzabstand und visuelles Gesamtbild. Der Gesetzgeber beurteilt nicht die absolute Lautstärke, sondern die Schallübertragung auf benachbarte Gebäude. In dicht besiedelten Gebieten sollten daher möglichst leise Modelle gewählt werden.
Visuell lassen sich Geräte durch farbliche Anpassung (dezentes Grau fügt sich besser ein als strahlendes Weiss) oder Verkleidungen aus Holz integrieren, sofern die Luftzirkulation nicht beeinträchtigt wird. Auch immergrüne Pflanzen wie Rhododendron, Thuja, Kirschlorbeer oder Föhren bieten Sichtschutz, erfordern jedoch regelmässigen Rückschnitt, um den notwendigen Abstand zur Luftzufuhr zu wahren.
Typische Planungsfehler und Best Practices
Die häufigsten Probleme entstehen nicht durch die Geräte selbst, sondern durch mangelhafte Planung: falsche Auslegung (zu klein oder zu gross), ungünstige Positionierung des Innengeräts mit Direktluft am Arbeitsplatz, oder Standortwahl des Aussengeräts nach verfügbarem Platz statt akustischen Gesichtspunkten. Auch die Kondensatabführung wird oft unterschätzt – sichtbares Tropfen oder Gerüche sind vermeidbar, wenn der Kondensatweg von Anfang an geplant wird.
Für einen ruhigen Betrieb sind freie Luftführung statt Nischen, Entkopplung gegen Vibrationen und moderate Sollwerte entscheidend. Bei Dachwohnungen und Altbauten sollte auf Zirkulation statt Direktluft geachtet werden, während Neubauten saubere Durchführungen und Abdichtungen erfordern. Weitere Details zur Planung finden sich im Ratgeber zur Klimaanlagen-Installation.
Betrieb, Effizienz und Wartung
Langfristige Kosten entstehen vor allem im Betrieb: Bei Kälteanlagen fallen 80 Prozent der Kosten während des Betriebs an, nur 20 Prozent bei der Beschaffung. Effiziente Systeme sind daher entscheidend für die Wirtschaftlichkeit.
Die Wartung sichert Effizienz, Hygiene und Garantiebedingungen. Dazu gehören regelmässige Filterreinigungen sowie jährliche Funktions- und Dichtheitschecks. Moderne Anlagen bieten zudem Fernwartungsoptionen über digitale Schnittstellen, die eine permanente Optimierung des Betriebs ermöglichen und Störungen frühzeitig erkennen.
Für Unternehmen und Privathaushalte, die kurzfristige Lösungen benötigen, stehen Mietkälte- und Mietsysteme zur Verfügung – etwa für Ersatz bei Ausfällen, saisonale Lastspitzen oder temporäre Kühlung bei Events. Technische Details zu natürlichen Kältemitteln und Fernwartung bietet die Übersicht über Kälte- und Klimasysteme.